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Sport&Schule
Ansprechperson Swiss-Athletics
Isidor Fuchser
Postfach 606, 3000 Bern 22
031 359 73 12 ¦ Mail
Eine gute Umfeld-Optimierung im Leistungssport verlangt eine langfristig angelegte Planung. Hierzu gehört auch der Teilbereich Schule.Die Schule oder Lehre mit dem (Spitzen-)Sport klug zu koordinieren ist nicht immer einfach. Manchmal erfordert die Ausbildung so viel Zeit, dass nicht mehr wie gewünscht trainiert werden kann.
Vor allem nach dem Ende der obligatorischen Schulzeit kommt man in den Clinch: Mittelschule oder die Lehre verlangen plötzlich deutlich mehr Zeitengagement und genau in diesem Alter sollte in der Leichtathletik auch noch der Trainingsaufwand um eine Einheit erhöht werden.
Andererseits hat sich das Angebot an Sportschulen und Sportklassen in der Schweiz in den letzten Jahren stark vergrössert. Aber wann ist der Besuch einer Sportklasse überhaupt sinnvoll und wann nicht? Wer kann überhaupt eine Sportschule besuchen? Gibts auch entsprechende Alternativen statt einer Schule eine Lehre zu absolvieren?
In vielen Fällen nützt bereits eine bessere Organisation und Koordination der Wochenstruktur, damit mehr Zeit fürs Training bleibt. Jeder Athlet mit Leistungsanspruch sollte eine solche Wochenplanung machen.
Übersicht Swiss Olympic Sportschulen
Berufslehre - Leistungssportfreundliche Lehrbetriebe
Es gibt insbesondere im Bereich KV immer mehr Angebote, wo die 3-jährige Lehre auf 4 Jahre ausgedehnt und die Berufsschule in einer Sportklasse absolviert werden kann.
An immer mehr Orten in der ganzen Schweiz entstehen solche Angebote. Mit der Suchmaske kann man gezielt nach Möglichkeiten im eigenen Kanton suchen.
Sportschulen und LA: Häufige Fragen und Antworten
In welchem Alter macht der Besuch einer speziellen Schule Sinn?
Das ist von Sportart zu Sportart verschieden! Fürs Kunstturnen mit frühem Höchstleistungs-Alter gelten hier beispielsweise ganz andere Erfordernisse, als für die Leichtathletik mit spätem Höchstleistungs-Alter. In der Leichtathletik beginnt man später als in vielen anderen Sportarten mit grossen Traininingsumfängen im Bereich des sportartspezifischen Trainings. Der sportartspezifische Trainingsaufwand von Leichtathleten im Alter von unter 14jährigen ist selten grösser als 4x2 = 8 Stunden pro Woche. Dies ist auch gerechtfertigt, weil die hohe Trainings-Intensität sowie die Gelenkbelastung durch den Tartan die zeitmässige Belastbarkeit limitieren. Jedoch machen zusätzliche Trainingseinheiten z.B. im konditionellen Bereich durchaus Sinn.
Von Swiss Olympic empfohlen wird der Besuch eines speziellen Sportschul-Angebots ab einem wöchentlichen Trainigsaufwand von 10 Stunden. In den allermeisten Fällen lässt sich ein hierzulande üblicher Stundenplan bis zur 9. Klasse gut mit einem ambitionierten LA-Training verbinden. Sofern der Verein aber mehr Trainingsmöglichkeiten anbietet, so kann durchaus auch schon in diesem Alter der Besuch einer Sportklasse eine Möglichkeit sein. Das Problem ist eher, dass die Vereine/Trainer zu den in Sportschulen üblichen Freistunden am Vor- oder Nachmittag kein Training anbieten (können). Jedoch sind diese Möglichkeiten auch in der Leichtathletik tendenziell steigend. Und einige wenige der Sportschulen bieten sogar gewisse Trainings an.
Das Zeitproblem stellt sich häufig zum Zeitpunkt unmittelbar nach Ende der obligatorischen 9 Schuljahre. Die Ausbildung verlangt hier auf einen Schlag mehr Zeit und parallel dazu sollte auch der leichtathletik-spezifische Trainingsaufwand gesteigert werden. Deshalb sind eher zu diesem Zeitpunkt die Sportschul-Angebote eine sinnvolle Möglichkeit.
Welche Arten von Sportschul-Angeboten gibt es?
Einerseits gibt es Label-Schulen von Swiss Olympic, andererseits unzählige weitere Angebote an Sportförderschulen sowie Sportklassen in "normalen Schulen".
Swiss Olympic Partner Schools : Das sind die meisten "Sport-Schulen". Diese haben eine Funktion als RAHMEN, als Teil der UMFELDOPTIMIERUNG. Sie bieten den Sportlern etwas mehr und vor allem (sport)günstig optimierte Freizeit und Urlaubs-Regelungen. Im besten Fall unterstützen sie die Athleten mit Stützunterricht für verpasste Schulzeit. Diese Schulen bieten aber in der Regel kein integriertes Zusatztraining für Leichtathleten an. Somit obliegt das Training nach wie vor den Vereinen und Stützpunkten. Uns bekannte Schulen MIT geführtem Zusatztraining sind die United School of Sports (Konditionstraining) und die Sportschule Appenzellerland (LA-Training).
Schulen mit dem Label "Sport School" : Diese Schulen haben die Aufgabe der schulischen und konditionellen Ausbildung. Der technische Bereich liegt aber in den allermeisten Fällen noch immer in den Händen der Vereinstrainer und Leistungszentren. Nur die NET in Kreuzlingen bietet als schwezweit einzige Sport School auch spezifisches LA-Training an.
Weitere Schulen : Zahlreiche weitere Schulen haben zudem Erleichterungen für Sporttalente eingeführt, die aber nicht in das von Swiss Olympic überprüfte Sortiment gehören.
Wer SOLL in eine Sportschule/Sportklasse besuchen?
Athleten mit einem hohen Leistungspotenzial sowie einem massiv erhöhten Trainingszeit-Bedarf. Als erstes muss ein hinreichender Nachweis des Potenzials gezeigt werden, was unter anderem (aber nicht nur) durch eine im nationalen Kontext ansprechende Wettkampfleistung passieren muss. Die Schweizer Bestenliste hilft bei der Einschätzung der eigenen Leistung. Wer sich ungefähr in den national besten 3% seiner Disziplin in seiner Kategorie bewegt, ist in den meisten Fällen genügend qualifiziert. Mit dieser Voraussetzung in Kombination muss der sportliche Sinn, die Trainingsmöglichkeit sowie die Bereitschaft des Athleten nachweisbar sein. Berücksichtigt man den Zeitaufwand in den Disziplinen unserer Sportart sind daher Mehrkämpfer und Mittel-/Langstreckenläufer sicher am ehesten zu den geeigneten Kandidaten zu zählen.
Wer DARF in eine Sportklasse/Sportschule?
Das ist eben nicht überall gleich! Bei den Swissolympic-Labelschulen ist es relativ klar vorgegeben. Bei den anderen Schulen setzt die Schule selbst die Entscheidungskriterien. Wichtig ist in jedem Fall ein gutes Dossier, das Auskunft über das Leistungspotenzial, die vorgesehenen Trainingsmöglichkeiten sowie eine langfristige Planung beinhalten.
Es ist festzustellen, dass sich viele Schulen an den Swissolympic Talentcards orientieren, welche den Verantwortlichen eine sportartübergreifende Vergleichbarkeit der Leistungsniveaus der verschiedenen Sportarten erlauben (sollten!). Der Inhaber einer Talentcard -in der LA sind dies etwa 350 AthletInnen- hat somit oftmals die grössten Chancen auf einen Platz an einer Sportschule.
Falsch ist übrigens die Vorstellung, dass der Verband den Zulassungsentscheid bestimmen kann! Es kommt aber gelegentlich vor, dass Sportschulen beim Verband zwecks Potenzialbeurteilung oder Erfragung Kaderzugehörigkeit nachfragen. Insofern hat der Verband also bestenfalls ein indirektes Mitbestimmungsrecht.
Wie beurteilt man, ob jemand talentiert genug ist?
Zumindest jede/r Swissolympic Talentcard-Inhaber müsste übers nötige Talent verfügen.
Bei den anderen (insbesondere den unter 15jährigen): ob jemand ein sportschultaugliches Talent ist, sollten vor dem Beantragen unbedingt unabhängige Fachpersonen mitbeurteilen, beispielsweise Trainer eines Leistungssportzentrums. Nur zu oft sind Eltern und Heimtrainer sehr enthusiastisch und beurteilen die Ausgangslage zu optimistisch. Deshalb sollte in jedem Fall die Meinung von Szenekennern ausserhalb der Vereins- und Familiengrenze zu Rate gezogen werden. Ausserdem kann es für die objektive Beurteilung helfen, die Leistung des jugendlichen Athleten in der gesamtschweizerischen Bestenliste nachzuschauen und sie zur Gesamtzahl der registrierten Athleten in Relation zu setzen. Als Faustregel kann man schauen, ob man in den besten 3% seiner Disziplin-Kategorienbestenliste ist (...von unteren Kategorien bereinigt und nicht bei unter 200 Resultat-Athleten).
Was umfasst das unterstützende Angebot einer Sportschule/Sportklasse?
Eine Sportschule ist nicht dazu da, um gute Sportler zu produzieren! Sie sind in den meisten Fällen nicht an der Ausbildung der Physis direkt beteiligt, sondern sind einfach ein wichtiger Teil der Umfeld-Optimierung. In der Sportschule selber wird man nicht zu einem leistungsstärkeren Sportler; diese Aufgabe der sportlichen Ausbildung obliegt in der Schweiz dem Verein. Die Kernaufgabe der Schule ist die Vorbereitung aufs Berufsleben - und im Fall von Sportschulen: geeignete Zeit-Freiräume und Umfeldoptimierungen für den Sport zu schaffen. Uns sind aber drei Schulen bekannt, die auch eigene Trainings anbieten: die NET Kreuzlingen, die Sportschule Appenzellerland und die United School of Sports in Zürich.
Was ist bei der Wahl der Sportschule generell zu beachten?
Man soll sich für das individuell geeignetste Angebot bezüglich Trainingsgüte und Zeit-Ort-Management entscheiden. Bei dieser Wahl spielt nicht nur der Leistungskatalog und die geografische Nähe der Institutionen eine Rolle, sondern auch Güte und Nähe der leichtathletischen Trainingsmöglichkeiten (NLZ, RLZ oder starke Trainingsgruppe). Anzustreben sind möglichst kurze Transferzeiten zwischen den drei Hauptlebensbereichen Wohnen - Schule/Arbeit - Training.
Wo gibt’s Sportschulen und Sportklassen in meiner Nähe?
Das kann man in der Broschüre "Schulangebote für Sporttalente" nachlesen.
Wie steht es mit Sport-Schulangeboten in meiner Nähe, die aber nicht in meinem Kanton sind? Bezahlt hier mein Kanton das Schulsgeld?
Folgende Kantone haben eine interkantonale Vereinbarung abgeschlossen und bezahlen Angebote in einem der genannten anderen Kantonen: ZH, LU, OW, NW, GL, SH, SG, GR, BE, ZG, UR, AR, TG, VS sowie das Fürstentum Liechtenstein. In den anderen Kantonen ist es in der Regel nicht unterstützt.
Gibt Swiss Athletics Geld-Zuschüsse ans Schulgeld von Sportklassen/Sportschulen?
Nein.
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Was ist von der Idee zu halten, sich vom obligatorischen Schulsport dispensieren lassen zu wollen?
Das halten wir nur in absoluten Ausnahmefällen für angebracht. Der obligatorische Schulsport bis rauf zum Gymnasialschulsport folgt einem mehrjährig angelegten und ganzheitlich durchdachten Lehrplan. Hier werden für die Jugendlichen wichtige Bewegungsgrundlagen aus verschiedenen Sportarten vermittelt und das schadet keinem Leichtathleten! Ein Spitzenathlet braucht ein breites Bewegungsrepertoire, um auf neue Trainingsreize schneller anzusprechen und Bewegungsabläufe schneller zu lernen.
Flexibilität erwarten wir aber von den Schulsportverantwortlichen unbedingt, wenn es darum geht vor wichtigen Wettkämpfen wie nationale Meisterschaften oder Qualifikationswettkämpfen den Stoffplan für die betroffenen Athleten entsprechend flexibel anzupassen und dann beispielsweise einen geplanten Ausdauertest in der Folgewoche nachholen zu lassen. Unsere Erfahrung zeigt übrigens, dass häufig die "falschen" Athleten (mindestens Stufe Swiss Athletic Talent sollte man hierfür schon sein) ein Dispensationsgesuch stellen, aber interessanterweise die allermeisten unserer besten Nationalkader-Athleten nie ein solches Gesuch stellten! Etwas differenziert stehen wir hingegen dem Berufsschul-Sport gegenüber, da hier der gesteigerte Trainingsaufwand nach dem 16. Altersjahr einem viel höheren Arbeitszeit-Pensum als im Gymer gegenübersteht. Auch ist die Qualität hier in vielen Fällen eher mässig, was aber tendenziell eher an den anderen Berufsschülern als an den Lehrern liegt.
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Weitere InformationenAnsprechperson Bereich "Sport und Schule/Beruf" bei Swiss Athletics
Swiss Athletics, Haus des Sports, Nachwuchschef Isidor Fuchser, Postfach 606, 3000Â Bern 22Â
isidorfuchser@swiss-athletics, 031 359 73 12
Berufsinformationszentren (BIZ)
In einigen kantonen gibt es an den Berufsinformationszentren ein spezielles Beratungsangebot für Sportlerinnen und Sportler:
- Link: Verzeichnis der BIZ mit spezieller Sportberatung
- Link: berufsberatung.ch
Sport und Militär
Diesem Bereich haben wir in der Rubrik "Leistungssport" eine spezielle Infoseite gewidmet.



