Audrey Werro (CA Belfaux) machte an der Medienkonferenz im Vorfeld des Meetings von Paris keinen Hehl daraus, dass sie den ältesten Weltrekord der Leichtathletik angreifen wolle. Ihr simple Taktik: Der Pacemakerin folgen und das vorgegebene Tempo möglichst lange halten.
Die erste Runde im Stade Charléty absolvierte die niederländische Tempomacherin leicht unter den angestrebten 55,5 Sekunden (55,32). Als diese nach knapp 520 m ausscherte, übernahm Werro das Zepter und liess nach 600 m (1:25,27) keine Zweifel darüber bestehen, wer sich nach den Meetings in Rabat, Stockholm und Ostrava auch in Paris durchsetzen würde. Die Frage lautete nur: in welcher Zeit?
Im Ziel leuchteten 1:53,80 Minuten auf! Wieder Jahresweltbestleistung (zuvor 1:53,98), wieder Diamond-League-Rekord, wieder Meetingrekord, wieder Schweizer Rekord und U23-Europarekord. Zum Weltrekord von Jarmila Kratochvílová (1:53,28) fehlt der 22-jährigen Freiburgerin und frischgebackenen 600-m-Europarekordhalterin nur noch eine halbe Sekunde.
«Es war wunderbar, aber zugleich auch schwierig, weil ich am Ende des Rennens allein war», bekannte die schnellste 800-m-Läuferin dieses Jahrtausends gegenüber dem Schweizer Fernsehen. Trotzdem distanzierte sie die Konkurrenz, angeführt von der 400-m-Hürdenweltmeisterin Femke Broeders-Bol (NED), um fast zwei Sekunden und unterstrich einmal mehr ihre derzeitige Ausnahmestellung über die zwei Bahnrunden.
Angelica Mosers Sieg mit Wermutstropfen
War es für Audrey Werro, die letztjährige Finalsiegerin bei Weltklasse Zürich, schon der vierte Diamond-League-Triumph in Serie (!), so gewann Angelica Moser (LC Zürich) in Paris zum zweiten Mal in der höchsten globalen Meetingserie nach Marrakesch 2024 und zuletzt zwei dritten Plätzen in Rabat und Rom.
Als einzige Athletin überquerte die Europameisterin die 4,77 m und verwies dabei unter anderem die australische Olympiasiegerin Nina Kennedy (4,70 m) auf Rang drei. Im Anschluss versuchte sich die 28-jährige Andelfingerin auf der neuen Schweizer Rekordhöhe von 4,90 m.
Dabei geriet Moser wegen des drehenden Windes zu nahe an den Einstiegkasten und konnte den Stab nicht mehr halten. Letzterer schlug mit voller Wucht auf ihren Unterschenkel. «Schade, dass dieser an sich sehr gute Wettkampf so endet», bedauerte die zweifache Diamond-League-Siegerin im SRF-Interview, die zugleich für den 60. Schweizer Podestplatz in der internationalen Serie sorgte. In den kommenden Tagen sollen weitere medizinische Abklärungen erfolgen.
Kurzfristig auf einen Start in Paris verzichten musste Hürden-Weltmeisterin Ditaji Kambundji (STB), die sich beim Warm-up «wehgetan» hatte. Auch sie will möglichst bald wieder auf der Bahn stehen.
Paris (FRA). Diamond League. Frauen. 800 m: 1. Audrey Werro (CA Belfaux) 1:53,80 (WL/Schweizer Rekord, vorher Werro 1:53,98). 2. Femke Broeders-Bol (NED) 1:55,60. 3. Anaïs Bourgoin (FRA) 1:55,65 (NR). – Stab: 1. Angelica Moser (LC Zürich) 4,77 m. 2. Eliza McCartney (NZL) 4,70 m. 3. Nina Kennedy (AUS) 4,70 m.
Troyes-Aube (FRA). Internationales Meeting. Männer. 800 m: 6. Ivan Pelizza (LC Zürich) 1:45,91. 400 m Hürden: 3. Julien Bonvin (CA Sierre) 49,67.



